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The Strad, September 1996 My first impression was what a mellow, almost viola-like tone Martin
Gelland has. It was quickly followed by the conviction that Othmar Schoeck's
early D major Sonata is an exceptionally beautiful little work. Gelland,
Munich-born, Vienna-trained and mainly active in Scandinavia, has devised
a splendid programme including six recording premieres. He is well partnered
by Lennart Wallin, the booklet is a mine of information and the producers
have provided an excellent piano duo plus the baritone Dietmar Keitz as
speaker to fulfil relatively small tasks: this is a quality product.
After the Schoeck come two pieces by Ivan Vishnegradsky, a Russian-born
practitioner of microtones and quartertones, the first with piano, the
second with two pianos tuned a quartertone apart. The result, while effective,
makes me feel that Szymanowski achieved just as exotic a sound without
resorting to such techniques.
Allen Sapps short 1943 piece And the Bombers Went Home, beautifully played,
is followed by Willy Burkhard's well-constructed and enjoyable 1946 Sonata
and the Mozartian Allegretto by Richard Strauss. After this, it is quite
a culture shock to hear the pithy twelve-tone Zehn Zahme Xenien by Hanns
Jelinek. These are based on epigrams by Goethe (spoken by Keitz) and flick
past harmlessly enough. Finally, an effective three-movement solo sonata,
played from the manuscript, by the Rumanian composer Dieter Acker.
Gelland meets all the challenges he sets himself and the disc is warmly
recommended, though I wonder why it is being marketed in the Vienna Modern
Masters Series when only Jelinek is Viennese.
Tully Potter
Frankfurter Allgemeine Zeitung,
17.12.1996
Zehn zahme Xenien
In farbigen Gewändern: Kammermusik für Violine und Klavier
Das verzweigte Wegenetz zur neuen Musik, das auch Sackgassen, Rückwärtsgänge
und Einbahnstraßen kennt, haben Martin Gelland - der bei Gerhard
Hetzel, Ricardo Odnoposoff und Max Rostal ausgebildete, seit 1991 in Skandinavien
lebende Geiger - und der schwedische Pianist Lennart Wallin gemeinsam
mit weiteren Künstlern in einem Ausschnitt der musikalischen Landschaft
vermessen und kartographiert. Dabei ist der Schallplattentitel "Lyrische
Aspekte unseres Jahrhunderts" nicht allzu wörtlich zu nehmen.
Denn einige Wegstrecken sind dramatisch, zerklüftet oder nur im virtuosen
Schnellgang zu bewältigen, und manche Komponisten blicken aus unserem
Jahrhundert janusköpfig in die Vergangenheit zurück. So ist
der neunzehnjährige Student Othmar Schoeck in seiner jugendfrischen,
melodisch überquellenden Sonate D-Dur (1905) ganz romantisch, Willy
Burkhard folgt in der Violinsonate von 1946 Bachs polyphonen Pfaden, der
altersweise Richard Strauss lauscht im verklärten, nur zwanzigtaktigen
Allegretto E-Dur (1948) hinter dem Nostalgieton der eigenen "Vier
letzten Lieder" her.
Experimenteller gehen Ivan Wyschnegradsky mit seiner Mikrotönigkeit
und Hanns Jelinek in den knappen Splittergesten seiner seriellen Miniaturen
im Stil Weberns vor. Doch auch hier ist die Tradition nicht fern: Wyschnegradsky
bindet seine Idee des gleichsam tonstufenlosen "Klangkontinuums"
in ein romantisches Espressivo ein, das im "Chant nocturne"
(1927/1971) vom Schwimmklang der beiden im Vierteltonabstand gestimmten
Klaviere auratisch statt progressiv überhöht wird; und Jelineks
"Zehn zahme Xenien" (nach Goethe) klingen domestiziert, wenn
auch attraktiv in ihrer Konzentriertheit.
Sämtliche Werke sind durch ihre Farbigkeit und ihre reiche Klanggestik
im Dialog von Violine und Klavier, aber auch innerhalb der Textur der
einzelnen Instrumente miteinander verbunden: keine abstrakte Kopf- und
Papiermusik. Gelland und Wallin lassen sich mit blühendem, aber stets
kontrolliertem Ton sehr intensiv auf diese Angebote ein, gerade auch -
hier dem Plattentitel entsprechend - im erfüllten, gespannten Piano.
Im jüngsten Stück, Dieter Ackers Soloviolinsonate von 1994/95,
durchmißt Gelland noch einmal sein "erzählerisches"
Talent: spielerisch, verinnerlicht, brillant. Der eigenwillig, aber sinnvoll
programmierte Raritäten-Rückblick auf dieses Jahrhundert zielt
nicht nur im vielgestaltigen Spiel der Klangfarben und Stile, sondern
auch in Seitenblicken auf die Nachbarkünste (Äußerungen
Franz Marcs im Plattentext und sein "Tiger" von 1912 als Frontbild)
auf ein kleines Gesamtkunstwerk hin. Ellen Kohlhaas www.duogelland.com
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